Schreibwettbewerb: Die Gewinner 2025 stehen fest
Über 200 Geschichten zum Thema „Dieser eine Moment“ wurden bis Ende 2024 eingereicht – von Hobbyautorinnen und Hobbyautoren, die den Mut hatten, das Eigene in Worte zu fassen.
Im Januar wurde geprüft, ob alle Vorgaben eingehalten wurden. Dann übernahm die Jury: In einer ersten strengen Runde wurde das Feld gesichtet, in einer zweiten jede verbliebene Geschichte schriftlich bewertet. 30 Texte schafften es in die Shortlist, 15 wurden als Siegergeschichten ausgezeichnet. Am 20. März öffnete das Publikumsvoting – und am 15. Mai schloss es.
Nun stehen die drei Gewinner fest:
1. Preis
Aaron Jonathan Wernecke
Jurybewertung:
Dieser Text zeigt große erzählerische Disziplin und ein tiefes Verständnis für leise, existenzielle Wendepunkte.
Besonders beeindruckend ist der Mut zur Zurückhaltung: Der Text vertraut seinen Bildern, seiner Figur und dem Leser.
Die Verbindung von historischer Realität und innerer Symbolik ist äußerst gelungen.
Ein Beitrag mit hoher literarischer Eigenständigkeit und klarer Prämierungsqualität.
2. Preis
Dr. Tengis Khachapuridse
Der Text passt sehr gut zum Thema des Wettbewerbs: Er zeigt „den einen Moment“ als eine verpasste Entscheidung, deren Folgen nicht mehr rückgängig zu machen sind. Der entscheidende Auslöser ist klar benannt: ein Anruf, der nicht angenommen wurde – und der sich im Nachhinein als letzter Hilferuf und letzte Chance herausstellt.
Die Erzählung ist konsequent aus einer selbstkritischen Perspektive geschrieben und verwendet durchgehend „wir“ statt „ich“. Das gibt dem Text eine ungewöhnliche moralische Tiefe: Schuld wird nicht nur als persönliches Versagen dargestellt, sondern als etwas, das alle gemeinsam tragen.
Der Aufbau ist klar und folgerichtig: Erst die persönliche Verweigerung, dann das gemeinsame Verdrängen, dann der Tod – und schließlich die Erkenntnis. Besonders wirkungsvoll ist der mittlere Teil: Durch sich wiederholende Gesprächsmuster macht der Text deutlich, wie Menschen sich innerlich entlasten und Verantwortung von sich weisen.
Die Sprache ist direkt, eindringlich und beherrscht. Die emotionale Wirkung entsteht nicht durch dramatische Übertreibung, sondern durch Wiederholung und Klarheit. Der Schluss vereint Schuld, Liebe und Vergebung – ohne in Rührseligkeit zu verfallen – und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
Insgesamt ist es ein literarisch ausgereifter, ernster und einprägsamer Text, der für einen Wettbewerb sehr gut geeignet ist.
3. Preis
Rachel Seeling
Der Text trifft das Wettbewerbthema mit großer erzählerischer Souveränität, indem er den „einen Moment“ klar, ruhig und nachhaltig gestaltet: die kurze, beiläufige Erlaubnis des Großvaters, die das religiöse Weltbild des Kindes dauerhaft prägt. Dieser Moment ist präzise vorbereitet, sinnlich verankert und literarisch zwingend gesetzt, ohne je ausgestellt zu wirken. Die Erzählhaltung ist konsequent kindlich fokalisiert und zugleich von reflektierender Reife getragen; Erinnerung und Gegenwart greifen organisch ineinander. Struktur und innere Logik sind geschlossen: Alltagsrituale, Familiengeschichte und religiöse Praxis verdichten sich schrittweise auf den zentralen Augenblick hin. Sprachlich überzeugt der Text durch Maß, Detailgenauigkeit und kulturelle Sensibilität; jüdische Begriffe und Rituale sind selbstverständlich integriert und funktional eingebunden. Der Schluss ist klar, ruhig und von starkem Nachhall, da er Bedeutung benennt, ohne sie zu erklären. Insgesamt ein literarisch reifer, eigenständiger und thematisch hochpassender Beitrag mit klarer Wettbewerbstauglichkeit.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Jede eingereichte Geschichte hat diesen Wettbewerb bereichert – quer durch alle Genres und Lebenserfahrungen.
Wer möchte, kann im Gästebuch von Blog Q5 gerne ein paar Worte hinterlassen: über die eigene Erfahrung, über das, was an diesem Wettbewerb besonders war. Das ist eine echte Hilfe für alle, die noch überlegen, ob das Schreiben und Einreichen etwas für sie ist.
Auch 2026 schreibt Quintessenz einen neuen Wettbewerb aus. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten.